Kategorie: Black Forest Ultra Bike
Ultra-Bike Kirchzarten 2011
Autor: Jörg Hättich am 29.06.2011
Morgens 4 Uhr in Deutschland. Der Regen prasselte an das Fenster und es war sau kalt. Ob es  wirklich eine so gute Idee war, in diesem Jahr erstmals in der Ultra-Distanz (116km) beim Kirchzartener Ultra-Bike-Marathon an den Start zu gehen, würde sich noch herausstellen. Eines war jedenfalls klar; es würde ein Ultra-Premieren-Tag werden, denn neben dem ersten mal auf der Lang-Distanz, fuhr ich auch zum ersten mal im team-speedzone-Trikot und ging deshalb gleich doppelt motiviert an den Start.

Nach geschätzten 500g bereits am Vorabend in Wasser eingeweichten Haferflocken (…lecker!) ging um 7:30 Uhr die Post ab. Das Wetter hatte sich zwischenzeitlich gemacht, so dass durchaus Hoffnung bestand, Kirchzarten auch wieder trocken zu erreichen. Der Startplatz im 2. Block war perfekt. Meine Halbbrüder, die „green soq´s“ (meine Teamkollegen in den grünen Speedzone-Trikots) drückten gleich in der ersten Steigung hinauf zum Hinterwaldkopf mächtig aufs Gas, sodass wir ständig Fahrer aus dem 1. Block auffuhren. Es bildete sich eine Gruppe mit ca. 10 Mann die ordentlich harmonierte und zügig lief. Treu nach dem Motto, die Hoffnung stirbt zuletzt…

...und diese starb im Bärental, begann es dort zu regnen und es wurde immer kälter. Zum Glück versorgten mich meine Helfer am Streckenrand nicht nur mit Trinkflaschen, sondern auch mit wärmenden Handschuhen (...hey Markus und Eugen, vielen Dank an dieser Stelle!). Ab Menzenschwand ging´s dann richtig zur Sache. Ich ärgerte mich sehr, dass ich mich nicht früher mit dem Streckenprofil auseinander gesetzt hatte. Das, was die Fahrer da zu erklimmen hatten, war keine Steigung mehr sondern eine Wand. Ich wollte zurückschalten, war aber schon im Kleinsten. Der Tacho pendelte sich so bei 5-6 km/h ein. Es war einer der Momente, in denen jede Fliege schneller vorankam (…bei dem Sauwetter waren die allerdings drin geblieben!). Auf der Abfahrt hatten wir dann noch 4°C. Zum peitschenden Wind setzte auch noch Graupelschauer ein. Aus unserer 10´er-Gruppe waren nur noch Beatus, Martin und ich übrig. Mir war so kalt, dass ich vor lauter Schüttelfrost nicht einmal mehr anständig geradeaus fahren konnte. Nie habe ich mich so auf die nächste Verpflegungsstation gefreut. Dort stand meine Süße, die mir erst einmal beim anziehen meiner Jacke half, dann mit einer ordentlichen Portion Motivation und (Anschieb-) Schwung am Hinterteil wieder in die Gänge half. Respekt vor all den Betreuern die genauso wie die Fahrer im Regen standen und froren!


Für mich ging´s nur noch ums durchkommen. Ich fuhr alleine, von Martin und Beatus war keine Spur mehr zu sehen. Um jeden Preis der Welt wollte ich das Ziel erreich. Die Zeit wurde allerdings in all dem Regen, Nebel und Schlamm zur Nebensache.


Umso erstaunter war ich dann, als plötzlich wieder Häuser zu sehen… Todtnau war erreicht! Hier begann der letzte harte Anstieg über den „Alpe de Fildlebrugg“ (Aftersteg) hinauf zum Notschrei. Durch die Steigung kam langsam wieder Gefühl in meine Glieder. Als dann noch kurz die Sonne zwischen den Wolken durchlachte und das Getöse der Zuschauer am „Alpe de Fidlebrugg“ mich vorantrieb (...allen voran Nicole, Eugen, Markus, Marlis und Franz!), war klar, dass ich das Ziel erreichen werde!


… und dass habe ich dann auch. Nach der letzten knackigen Abfahrt runter nach Kirchzarten war es in 5:32h und auf Platz 13 der Herrenwertung bzw. Platz 38 der Gesamtwertung geschafft. Mit einem dicken und schlammverdreckten Grinsen in Gesicht fuhr ich durch das Ziel…

JA, ... „ULTRA“-geil wars!!!



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